Rückblick 34. Musikfest 2013

Authentisch und Entspannt

musikfest 2013 samstag-135Seit vielen Jahren oder besser mittlerweile einigen Jahrzehnten zählt Waidhofen zu einem Hotspot im heimischen Festivalsommer. Das Musikfest, organisiert vom Folkclub Waidhofen/Thaya, gilt als fixe Adresse für ein äußerst (ent-)spannendes verlängertes Wochenende mit erstklassiger, vielfältiger Musik und einem tadellosen Rundherum.

 

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Auch die 34. Auflage ist wieder als voller Erfolg zu werten, das musikalische Programm präsentierte sich einmal mehr perfekt zusammengestellt, abwechslungsreich, innovativ und ließ kaum Wünsche offen, die Organisation funktionierte reibungslos – und dies ist bei ca. 300 freiwilligen Mitarbeitern eine mehr als bemerkenswerte Leistung, und kulinarisch fühlte man sich auch einmal mehr sehr gut aufgehoben. Klimatisch betrachtet war es zumindest ein trockener, aber speziell in der Nacht auch sehr kühler Jahrgang. Nächtlicher Glühweinausschank, nicht wärmer werdender Weißwein und der Rummel rund um den mit Holzkohle befeuerten Hendlgriller zeugten davon. Ausgleichend dafür heizte die Musik jedoch wieder ordentlich ein.

 

musikfest 2013-218Nach einem gelungenen Auftakt des jungen österreichischen Jazztrios Edi Nulz packte Helene Blum mit Harald Haugaard und seinem Quartett die feine Folkklinge aus. Contemporary Folk aus Dänemark, mal sinnlich reduziert, dann wieder treibend tanzbar in Verbindung mit Blum´s bestechender Stimme brachten wahre Freude. Die Frage, warum Bassekou Kouyate derzeit dermaßen gefragt ist, wurde sehr rasch beantwortet. Mit einem fulminanten Auftritt und seiner Darstellung moderner Griotmusik brachte er zum ersten Mal an diesem Wochenende die Stimmung im alten Badhaus so richtig zum Brodeln. Die Steaming Satellites sorgten für einen sphärisch-expressiven und durchaus interessanten Abschluss am Freitag.

 

musikfest 2013 samstag-208Der Samstagnachmittag gehörte in witziger und ansprechender Form zunächst den Neuinterpretationen des Wiener Liedes, umjubelt dargebracht vom Klangkombinat Kalksburg, der erweiterten Formation vom Kollegium. Etwas mehr Tiefgang hätte es ruhig bei Nowhere Train sein dürfen, ehe der Belgier Didier Laloy am diatonischen Akkordeon mit seinem Trio S-Tres und seiner unkonventionellen Spielweise schwerstens begeisterte. Als würdiger Samstagabend Headliner erwies sich Nguyên Lê mit seinem „Songs Of Freedom“ Programm. Seine individuellen Interpretationen alter Rocksongs fesselten das Publikum. Den tanzbar heißen Abschluss, ziemlich mittig zwischen Tradition und Moderne angesiedelt, setzte in überragender Manier Mahala Rai Banda.

 

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Der Sonntag wurde nach dem mittlerweile traditionellen Frühschoppen der anderen Art, diesjährig mit Birgit Denk und den Nowaks und dem Kinderprogramm, leicht durch den wiehernden, diplomatischen Amtsschimmel gestört. Aufgrund nicht rechtzeitig abgewickelter Formalitäten auf der österreichischen Botschaft(!) in Ägypten musste leider der Auftritt der Musicians Of The Nile abgesagt werden. Mit Klezmer Reloaded war jedoch rasch ansprechender Ersatz gefunden, und der guten Laune tat dies keinen Abbruch. Mit Mo´Blow fetzte und fegte wohl eine der heißesten Aktien Europas des groovigen Jazzfunks über den Bretterboden des Badhauses. Gewaltig, was die vier Deutschen hier an Spielwitz, Variantenreichtum und Qualität ablieferten. Mit Candye Kane und auch ihrer musikalischen Partnerin Laura Chavez an der Gitarre kamen die Bluesfreunde auf ihre Rechnung. Für einen stimmgewaltigen Festivalausklang der speziellen Weise sorgten die Vokal-Akrobaten Bauchklang. Der eigene Bauchklang-Sound, viel junges Publikum und zusätzliche Bassboxen verwandelten den Konzertbereich in ein schwingendes, hüpfendes Tollhaus, wie man es in Waidhofen wohl selten erlebt hat.

 

 Bericht: Wolfgang Taschl, Concerto Magazin