Newsletter

Geben Sie hier Ihre Daten an, um unseren Newsletter zu empfangen!

 

*Pflichtfeld

 

Mitgliedschaft

Du findest unser Angebot interessant und möchtest uns gerne unterstützen?

Dann werde Mitglied und profitiere zusätzlich von vergünstigten Ticket-Preisen bei unseren Veranstaltungen!

Jetzt ganz einfach online Mitglied werden!!

 

>> mehr

Suche

Musikfest Resümee

Prädikat: Einzigartigkeit

Das Musikfest Waidhofen/Thaya bot heuer einen perfekten Stilmix


Vom 1. bis 3. Juli ging bereits zum 32. Mal das Musikfest in Waidhofen/Thaya über die Bühne, was so nebenbei bedeutet, dass es sich mittlerweile um das älteste Festival in den Sparten Jazz, Blues, World Music und Pop in Österreich handelt.


 

Zu Beginn wird in der Thayastadt traditionell mit einer Waldviertler Band gestartet. Diesmal waren die äußerst innovative Formation Woody Melectric & The Caloric String Quartett an der Reihe, sie beeindruckten mit einfühlsamen Pop-Balladen und exzellenten Streicherarrangements. Die darauf folgende Mojo Blues Band konnte das Feuer im Publikum mit ihren Chicago Blues weiter entfachen, bis schließlich der britische Stargitarrist und Songwriter Richard Thompson auf die Bühne kam. Er brillierte mit seinem Gitarrenspiel und seinen genialen Texten und zog das Publikum in seinen Bann [...]. Ein erster Höhepunkt des Festivals. Die darauf folgende irische Band Lunasa wurde vom Veranstalter extra nach Österreich eingeflogen, ihre perfekte Darbietung ließ das Herz der zahlreich im Publikum anwesenden Folkfans höher schlagen.

 

Von zwei Blues-Rock-Acts eingerahmt, ging der Samstag über die Bühne. Den Auftakt bestritt die heimische Mary Broadcast Band mit ihrem Soul-Blues-Funk-Gemisch. Danach entführte das Schweizer Colin Vallon Trio in die Gefilde improvisierter Musik und bewies dabei, dass es auch ein Klavier-Bass-Schlagzeug-Trio schaffen kann, mit seinen Klang-Meditationen bei einem Festival den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Das finnische Mundharmonika-Quartett Sväng wiederum führte vor, dass Virtuosität und schräger Humor keine schlechte Kombination sind, wenn es gilt, das Publikum bei Laune zu halten. Der prominenteste Act des Tages, der nigerianische Gitarrist und Sänger Keziah Jones, sonst vor allem auf Großkonzerten zu erleben, war vom vergleichsweise intimen Konzertrahmen sichtlich angetan und brachte das Auditorium zusammen mit seinem Perkussionisten zum Tanzen. Nebst Songs aus dem eigenen Lieder-Rucksack gab es auch eine frenetisch aufgenommene Cover-Version von Dylans „All Along the Watchtower" zu hören. Nach seinen Zugaben sollte Jones zwar die Bühne, aber nicht das Gelände verlassen. Der nigerianische Star war im Publikum und für einen Song auch als spontan eingeladener Gast mit dabei, als der Schweizer Blues-Gitarrist Philipp Fankhauser nach Mitternacht vorführte, dass er die Blues-Lektionen seinen großen Vorbilds Johnny Copeland längst auf überzeugende Weise verinnerlicht hat.

 

Der Sonntag in Waidhofen beginnt traditionell mit einem Frühschoppen, und hier war das Kollegium Kalksburg bestens platziert. Das Wienerlied Trio verstand es, die Musik und den Wiener Schmäh in köstlicher Weise rüber zu bringen, und das auf hohem Niveau. Aber auch für die Kinder wird in Waidhofen bestens gesorgt, sie sind das Publikum von morgen, und der Veranstalter, der Folk Club Waidhofen, ist sich dieser Sache mehr als bewusst. Keine Geringeren als Tubist Jon Sass, Trompeter Lorenz Raab und Sängerin Natasa Mirkovic-DeRo verzauberten die Kinderherzen mit ihrem Stück „Sassy, eine Tuba geht auf Reisen". Sehr locker und entspannt, doch nicht minder auf hohem Niveau, folgte das Debüt der kanadischen Formation Madison Violett. Das Frauen-Duo bot exzellenten American Folk; mit ihrem tollen zweistimmigen Gesang und ihren melodiösen Songs ließen sie die alte Badehütte im Thayapark swingen. Als vorletzte Band wieder ein Exklusivauftritt in Österreich: Wolfgang Muthspiel/Slavian Grigoryan und Ralph Towner, kurz MGT genannt, zogen feinfühlige Gitarrenregister, irgendwo zwischen Klassik, Jazz und Rock. Was hier an Mischung in Waidhofen möglich ist, ist erstaunlich, zuvor American Folk, dann Gitarrensoundcollagen und dann als letzte Band des Festivals nochmals ein musikalisches Feuerwerk mit der Amsterdam Klezmer Band, die ihre neue CD präsentierte und so nebenbei gleich den Deutschen Schallplattenkritikerpreis einheimste. Das Publikum konnte nochmals genießen, aber auch ordentlich mittanzen.

 

Heuer dürfte dem Veranstalter ein nahezu perfektes Programm gelungen sein. Eine optimale Musikmischung auf hohem Niveau und ein nicht minder aufgeschlossenes Publikum, das nicht auf große Namen Wert legt, sondern sich von der Qualität und von der Authentizität der Musik leiten lässt.

 

Dass dieses Festival meist im Schatten des großen Jazzfest Wien steht und somit kaum medial in Erscheinung tritt, ist schade, denn jeder, der einmal Waidhofen erlebt hat, weiß, dass im wunderbaren Thayapark eine herzliche Atmosphäre herrscht, die ihresgleichen sucht. Eine Einzigartigkeit.

 

CONCERTO-Magazin, Ausgabe 4-11
www.concerto.at